Togo 2004

von Keith Lindsey 

Seminardaten: Das anamed Seminar in Naturmedizin fand von Montag, den 1. bis Freitag, den 5. November 2004 statt. Zwei weitere Tage über Forstwirtschaft und Solarenergie wurden von Salem organisiert.

 Ich ging am Dienstag, den 26. Oktober von zuhause fort und kam am Mittwoch, den 10. November, wieder zurück.

 Ort: Bassar, Togo, 400 km nördlich von Lomé, in der Turnhalle der weiterführenden Schule.

Organisator: Bruderschaft Salem mit Sitz in Stadtsteinach, Frankenwald, Deutschland. Ich war dort mit dem Geschäftsführer, Samuel Müller, Jonas Lange von Salem Deutschland und dem Salem Organisator vor Ort, Gbati Nikabou.

Hintergrund:

a)      Das Land: Togo ist ein kleines französisch sprechendes westafrikanisches Land mit einer Bevölkerung von ca. 5 Millionen, eingebettet zwischen Ghana im Westen und dem Benin im Osten.

Angelegenheiten vor Ort werden von einem ”Präfekten” kontrolliert, einem Verwalter der Regierung, der allen neuen Aktivitäten oder Treffen in seiner ”Präfektur“ zustimmen muss.

Mehrere Jahre lang war keine Konferenz und kein Seminar in Bassar abgehalten worden. Salem hatte einen enormen Aufwand an Öffentlichkeitsarbeit betreiben müssen, um die Zustimmung dafür zu erhalten, diese Veranstaltung durchzuführen. Tatsächlich wurde die Erlaubnis schliesslich erst zwei Tage vor Beginn des Seminars erteilt.

b)      Salem: Durch Projekte in verschiedenen Ländern betont Salem Frieden, Mitleid, Baumpflanzaktionen und Vegetarismus. In Togo unterstützt Salem eine ältere, aber bemerkenswert rüstige deutsche Ärztin, Frau Dr. Heimer, die seit ca. 15 Jahren nur mit ansässigen Kollegen in einer ländlichen Umgebung nahe Kpalime im Südwesten arbeitet. Sie verwendet zum Grossteil Aloe und hat nun, dank Salem, viele Moringa Bäume. Seit 2001 unterstützt Salem auch Gbati Nikabou, einen Togoleser früheren Lehrer in Bassar, der sich in diesem Gebiet für Baumpflanzaktionen einsetzt.

c)      Das Seminar: Im Anschluss an verstärkten Kontakt und Zusammenarbeit zwischen Salem und Anamed während der letzten zwei bis drei Jahre hat Salem Anamed eingeladen, ein einwöchiges Seminar zu veranstalten, um ein Programm für Naturmedizin anzuregen, das neben seinem Baumpflanzprogramm in der Region von Bassar laufen soll.

Da Togo kaum Erfahrung mit Workshops, Seminaren oder Konferenzen hat und dadurch kein geeignetes Konferenzzentrum besitzt, musste Salem absolut alles organisieren. Die Vorbereitungen begannen zwei Jahre vorher mit der Festlegung eines eventuellen Seminarortes und der Suche nach geeigneten Unterkünften für die Teilnehmer von weither. Dazu kamen die Einzelheiten wie Organisation von Tischen und Stühlen, Pläne für die Errichtung einer Behelfsküche mit Kochgelegenheiten, die Suche nach Freiwilligen für die Verpflegung, die Beschaffung eines Generators, um Stromausfälle zu überbrücken, die Suche nach Besteck und Geschirr, die Reparatur von zerbrochenen Toiletten, die Bereitstellung von nächtlichem Sicherheitspersonal usw. Es war eine ungeheure Arbeit, aber bei der Veranstaltung klappte alles hervorragend.

Die Teilnehmer

Es waren 33 Teilnehmer. Alle waren Männer, 7 aus Lomé, einer aus Gabon und 25 aus Bassar. Alle sprachen französisch, und die überwiegende Mehrheit hatte eine gute Erziehung. Alle schienen hoch motiviert zu sein. Sie hatten alle positiv auf die Einladung zur Teilnahme geantwortet.

Von den Leuten aus Lomé waren drei von einem Projekt, das in Verbindung zu ULOG in der Schweiz stand, und brachten zwei Solaröfen mit. Zwei zahlende Gäste kamen aufgrund von Informationen aus dem Internet, einer aus Lomé und einer aus Gabon.

Die meisten waren Christen. Fünf oder sechs waren Moslems.

Das Seminar wurde in der Turnhalle der weiterführenden Schule abgehalten, die 1500 Schüler und 27 Lehrer, einschliesslich des Direktors, hatte. Zehn dieser Mitglieder des Schulpersonals einschliesslich des Direktors nahmen die ganze Woche lang an dem Seminar teil. Die anderen waren traditionelle Heiler, Landwirte oder gehörten einer wichtigen NGO an.

Zusätzlich gab es fünf ”Beobachter”, Studenten, denen gesagt worden war, dass sie am Rande dabei sein dürften und zuschauen könnten. Es waren auch fünf ”Helfer” da, die Tische, Stühle, Materialien usw. holen und tragen mussten. Im Laufe der Woche wurde es zunehmend schwieriger, zwischen den Teilnehmern und jenen mit anderen Aufgaben zu unterscheiden, da alle voll und ganz von dem Programm in Anspruch genommen wurden.

Sechs Freiwillige aus Lomé übernahmen die Versorgung. Sie bereiteten ausgezeichnete und abwechslungsreiche vegetarische Speisen zu. Täglich versorgten sie mit Erfolg 54 Personen, obwohl sie eigentlich um die Versorgung von nur 38 gebeten worden waren!

Unter den Teilnehmern waren auch ein Vertreter des Ministeriums für innere Angelegenheiten und ein Journalist (der von der Regierung kontrollierten Zeitung). Ausserdem waren am ersten Morgen drei Polizisten anwesend, obwohl wir sie danach nur noch selten sahen. Das Seminar wurde offiziell von dem Präfekten eröffnet und er war es auch, der bei der Abschlusszeremonie amtierte, als die Teilnehmer ihre Urkunden erhielten.

Der Seminarinhalt

Die fünf Tage folgten dem Ablauf wie folgt:

Morgens: eine theoretische Vermittlung, z. B. Malaria, HIV/AIDS, Durchfall, Wunden und Hautpflege.

Nachmittags: praktische Arbeit.

Früher Abend: Gruppenarbeit oder Bilder.

Einzelne Themen dieser Veranstaltung waren:

a)      Die Herstellung von Medizin; Eukalyptustinktur, Chilli- und Neembaumsalbe, schwarze Steine, Tee gegen Amöbenerkrankung, Knoblauchöl, Knoblauchhonig, Öl gegen Krätze, Neembaum-Zahnpulver und -seife.

b)      Die Anlage eines Gartens mit medizinischen Pflanzen auf dem Gelände der Schule, wobei der Direktor versprach, dass dieser auch weiterhin gepflegt und im Unterricht der Schüler mit genutzt würde.

c)      Jeder Seminarteilnehmer zahlte 1000 Francs (ca. 1,50 Euro), um einen der Solaröfen zu kaufen, die aus Lomé zu dem reduzierten Preis von 30.000 CFA (1 Euro = ca. 670 CFA) mitgebracht worden waren. Dieser wurde dann an die Schule gegeben, die versprach, einen ”Solarenergieclub” zu gründen.

d)      In dem Solarofen wurden Reis und Eier gekocht und Brot gebacken.

e)      Jeden Morgen tranken wir einen anderen Kräutertee und jeden Nachmittag den Saft von Zitronen, Orangen oder Grapefruits.

f)       Am letzten Nachmittag trugen die Teilnehmer eine bemerkenswerte Anzahl Lieder und Gedichte vor sowie ein gelungenes Drama, das auf der Geschichte von Zamenga basierte. Dies ist die Geschichte von einem Kind, das Durchfall hatte und ohne die Kenntnis der Naturmedizin gestorben wäre.

g)      Am letzten Nachmittag des Seminars wählten die Teilnehmer ein Komitee von 5 Leuten, die die Tätigkeiten der Naturmedizin in der Region von Bassar koordinieren sollten.

h)      Ich hatte das Gefühl, dass eine beachtliche Anzahl der Teilnehmer auch anwenden würde, was sie gelernt hatten. Einige sagten, dass sie einen medizinischen Garten in jeder Schule und Einrichtung (z. B. dem Krankenhaus) in Bassar anlegen würden.

i)       Die Moslems drückten ihre tiefe Wertschätzung darüber aus, dass ihnen mit Würde und Respekt begegnet worden war.

j)       Schliesslich hat sich ein Teilnehmer vorgenommen, die vor Ort genutzten medizinischen Einrichtungen zu dokumentieren.

k)      Unmittelbar nach der Beendigung des Seminars organisierte Salem zwei weitere Tage für eine grössere Anzahl von Leuten, deren wesentlicher Inhalt die speziellen Baumpflanzungen und Solarenergie waren. Dies beinhaltete eine symbolische Baumpflanzzeremonie auf dem Schulgelände.

Finanzen

Alle Ausgaben wurden von Salem Deutschland durch die Grosszügigkeit privater Sponsoren abgedeckt.

Danksagungen

An Samuel Müller, Jonas Lange und Gbati Nikabou von Salem, die die Idee zu dieser Initiative hatten, die unermüdlich arbeiteten, damit sie stattfinden konnte, alles auf einem hohen Niveau organisierten und, dank der grosszügigen Spender, die notwendige Finanzierung aufbrachten.

An den Präfekten, der den Mut hatte, unser Seminar stattfinden zu lassen.

An die Botschaft von Togo in Berlin, die sehr weit ging, um die Bitte um Erlaubnis, das Seminar abhalten zu dürfen, zu unterstützen.

An den Direktor der Schule, der uns seine volle Unterstützung zukommen liess, uns die Erlaubnis gab uns in seiner Schule zu treffen und der uns versprach, die Umweltarbeit innerhalb der Schule weiter zu fördern.

Weitere Kontakte

Mit Gbati Nikabou und Jonas Lange stattete ich dem Gesundheitsministerium in Lomé zwei Besuche ab. Dr. Assih Palakassi, Leiter der Abteilung für Traditionelle Medizin, zeigte grosses Interesse an unserem Seminar und an dem Anamed Malariaprogramm.

Die Zukunft

Gbati Nikabou ist ein kompetenter und verantwortungsvoller Salem-Mitarbeiter. Er wird nun auch die Naturmedizin fördern und mit dem kürzlich ernannten Komitee zusammenarbeiten.

Ich schlage vor, dass

a)      wir, wenn anamed von Salem in ein paar Jahren eingeladen wird, ein weiteres Seminar in Togo abzuhalten, sofort zustimmen sollten, um die Weiterentwicklung der Naturmedizin in Togo zu unterstützen.

b)      ich mit Gbati Nikabou in Kontakt bleibe.

c)      wir uns bei einem weiteren Besuch noch einmal mit Frau Heimer treffen und das Projekt besichtigen, das von Lother Knödel aus Fellbach in Gape Kpodzi unterstützt wird, wo ein Tunneltrockner in Betrieb ist.

Andere Beobachtungen

1.      Bassar ist ein grosses Zentrum für die Herstellung und Aufbewahrung von Holzkohle. Viele grosse Lastwagen fahren von hier jede Woche nach Lomé, von wo aus eine Menge Holzkohle exportiert wird (vielleicht nach Europa). Die meisten für diesen Zweck verwendeten Bäume sind langsam wachsende Bäume aus Hartholz wie z. B. Karité. Gbati Nikabou tut sein Bestes, um die Bevölkerung dahingehend zu sensibilisieren, wie nützlich Karité ist und wie wichtig es ist, neue Bäume zu pflanzen.

2.      Zwischen Lomé und Bassar gibt es eine beachtliche Anzahl an Teakholzbäumen. Dank der Verwaltung durch den Staat überstehen sie die häufigen Feuer in der Trockenperiode.

3.      Eine alte Eisenerzmine, die noch aus Zeiten vor der Geburt Christi herrührt, liegt ungefähr 5 km von Bassar weg. Die alten Brennöfen werden von Dächern geschützt, die von der UNESCO bereitgestellt wurden. An einem Sonntag Nachmittag waren wir die einzigen Besucher dort. Die Stelle ist in der Stadt kaum bekannt.

4.      Obwohl wir in Lomé viele Weisse sahen, sahen wir in Bassar keine.

5.      Obwohl ich den Eindruck hatte, dass Togo insgesamt gesehen einen höheren Lebensstandard besitzt als Uganda und Kenia, sind die hygienischen Bedingungen weit davon entfernt, perfekt zu sein. Samuel Müller und ich waren im ”Hotel Bassar” untergebracht, dem ”prestigeträchtigsten” Hotel der Stadt. In der Vergangenheit hatte es Touristen dort gegeben, aber heute ist diese vom Staat geführte Einrichtung sehr dürftig, aber es war sauber und die Toiletten und Duschen funktionierten. In der Nähe von der Hoteleinfahrt gab es einen offenen Müllabladeplatz. Jeden Morgen benützten Kinder diesen Müllplatz als Toilette. Nur ungefähr 20 Meter entfernt, und unterhalb dieser Stelle, waren die ersten Häuser.

6.      Einige Lehrer hatten andere Interessen. Es waren lebhafte Personen und sie brauchten wahrscheinlich ein zweites Einkommen. Ihre Gehälter wurden ihnen zwei bis drei Monate im Rückstand gezahlt. Martin, mein Übersetzer, arbeitete beim örtlichen Rundfunksender und seine Frau leitete eine Bierbar. Ein anderer Lehrer führte das Internetcafé und arbeitete freiwillig in einer AIDS NGO.

Keith Lindsey

November 2004

Übersetzung: www.saleminternational.org

 

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